Merry Grinchmas

In den Straßen leuchten die Lichter. Alles funkelt. Und glitzert. In meinen Augen glitzern lediglich die Tränen. 

Meine Füße tragen mich durch den Schnee. Der Geruch von Tannengrün und gebrannten Mandeln steigt mir in die Nase. Und der erste Glühwein zu Kopf. Ich genieße. Ich lache. Ich bin glücklich. Doch ich teile gerne. Bäm. Da ist sie. Die Sehnsucht. Sie zeigt sich immer dann, wenn ich mich gar nicht auf dem Weg zu ihr befinde. Dann will ich dir schreiben. Dich anrufen. Dir eine Grimasse zeigen. Ich sehe, dass du online bist und alles in mir brennt. Nicht vom Glühwein. Von einem Gefühlscocktail der übelsten Sorte. Kummer. Eifersucht. Angst. Neid. Wut. Kummer über das Schweigen zwischen uns. Eifersucht auf deine Unbeschwertheit. Angst, dass du mich vergisst. Neid gegenüber deiner Aufmerksamkeit, welche nicht mir gilt. Wut auf meine anhaltende Liebe.

Weihnachten also. Das Fest der Liebe. Und der Familie. Doch was ist mit den Heimatlosen wie mir? Mit all den verlorenen Seelen, die trotz der vielen bunten Haltestellen im Leben, immer wieder mit schwerem Herzen an der Endstation Sehnsucht landen.

Zuhause ist, wo das Herz schlägt.

Es schlägt bei dir.

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Triggerland

„Du hast aber viele Ketten. 1, 2, 3, … Sechs Stück. Doch die mit dem Kristall ist am schönsten.“

Die Stimme des kleinen Jungen rückt in den Hintergrund. Es ist nur mehr ein leises Rauschen. Das Zählen. Es löst etwas in mir aus. Eine Erinnerung.

Es war Sommer. Der heißeste den ich je erlebt habe. Unser Blick lag über den Dächern der Stadt. Wir fragten nicht. Wir waren. Wir. Ich wusste nicht wo es hinführt. Doch ich wusste, es würde hinführen, wo es hinführen soll. Und dies genügte mir. Denn ich war glücklich. Trotz der klebrigen Last des schweißgetränkten Leiberls, welches an mir klebte wie eine zweite Haut, fühlte ich mich unbeschwert. Hätte mich jemand vom Dach gestoßen, so wäre ich geflogen. Nicht gefallen. So leicht war mir ums Herz. 

Doch du bist fort. Und ich bin gefallen. Tief. Und immer tiefer. Die Dächer habe ich nie wieder gesehen. Dich auch nicht. Verlernt zu fliegen habe ich jedoch nicht. Es ist nicht mehr so leicht wie früher, doch halte ich nun auch den schwersten Stürmen stand. 

„Sie ist auch von einem schönen Menschen.“

Bussi Baby

‚Es sind diese kurzen Momente zu Beginn eines langen Tages zwischen Tür und Angel, die ich vermisse. Die, die nachwirkend schön waren.‘ – Groschenphilosophin

Noch ehe der Wecker schrill ertönt, liege ich wach danieder. Erwartungsvoll drehe ich mich um. Nichts. Keine feste Umarmung. Kein Kuss in den Nacken. Kein sanftes Raunzen. Statt dem Weckton, durchdringt mein Schluchzen die allmorgendliche Stille.

Ich erinnere mich an dich. An uns. Unser Ritual am Morgen. Du hattest schon die Hand auf der Klinke, doch du kamst nochmal zurück. Zurück zu mir. Mein Herz folgte deinem schneller werdenden Schritt. Ein kurzer Kuss. Einer noch. Anhaltend. Intensiv. Die Zeit drängt. Es kümmert uns nicht. Nicht jetzt. Nicht hier. Wir genießen den Moment. Genießen uns. Wie Kinder, die noch aufbleiben wollen, feilschen wir um jede Sekunde.

Der Wecker klingelt.

Ich decke mich zu mit den Bildern in meinem Kopf. Der Tag muss heute warten.

Erinnerungen.

Alles was bleibt.

Unsent #003

Wenn mir die Nase juckt, bist du es dann, der da an mich denkt?

Facehugger

Ich suche nicht nach dir. Nicht mehr. Und doch. Ich finde dich. Überall.

Mal hier. Mal dort. Zwischen meinen Lippen, wenn sich der Geschmack der Tschick entfaltet. Unter meinem Fuß, wenn sich auch in der letzten Ecke noch eine Tannennadel vom gemeinsamen Weihnachten zeigt. Im Supermarkt, kurz vor der Fleischtheke, wenn mich das Faschierte anschaut. Abends, wenn mich der Wookie in den Schlaf raunzt. Beim Blick in den Spiegel, wenn sich der Anhänger um meinen Hals wieder einen unerbittlichen Kampf mit den anderen Ketten geliefert hat und ich ihn befreien muss. Dann, wenn der Bass ertönt und meine Hüften schutzlos sind. In meiner Art mich auszudrücken. Nach dem Duschen, wenn ich in meiner Unterwäscheschublade wühle. Während der Käptn und ich langsam Freunde werden. In den Weiten des Internets.

Doch vor allem dann. Wenn ich nicht damit rechne.

Was bleibt? Das Gefühl von Leere. Als hättest du dich noch vor dem Morgengrauen aufgemacht, um mitten im Leben zu verschwinden, welches dort draußen stattfindet.

Und wenn ich mich dann endlich auf dem Boden der Tatsachen wiederfinde, meldest du dich. Unerwartet. Und ziehst mir diesen Boden erneut unter den Füßen weg. Ich fliege einmal mehr in das Vermissen und mache Rast auf den Wolken der Sehnsucht. Sie sind so weich. Wie deine Lippen. Wenn sie auf die meinen trafen. Mit jedem Kuss kostete ich Zukunft. Eine Zukunft mit dir. Der Geschmack von Leichtigkeit. Selbst jetzt noch.

Warum?, will ich dich fragen.

Katzenjammer

Starr blicke ich an die Decke. In der Hoffnung, die Faserung der Tapete würde mir eine Karte zeichnen. Mit dem richtigen Weg zu dir. Denn ich irre durch den Wald der Sehnsucht. Immer wieder stolpere ich über Erinnerungen und stoße mich am Vermissen.

Von außen betrachtet bin ich wieder das normale Mädchen. Der junge Rotschopf mit dem wirren Wesen. Flausen im Kopf. Doch mit beiden Beinen fest im Leben. Mal hier. Mal da. Doch nie wirklich Zuhause. Lache. Raunze. Lebe. Die Verzweifung sucht mich nur noch selten Heim.

Unter der Oberfläche jedoch sammle ich meine Gefühle für dich und schreibe sie nieder. Wie in einem Wörterbuch schlage ich immer wieder nach. Suche ihre Bedeutung für mich. Übersetze. Verstehe. Setze sie zu einer Geschichte zusemmen. Dann, in unruhigen Nächten lese ich dich mir vor. Eine Geschichte die ich immer und immer wieder lesen will. Kenne ich sie auch in- und auswendig. Jedes Kapitel bringt mich dir etwas näher.

Die andere Hälfte vom Bett ist immer noch deine.