Fötusgulasch

Die kahlen Wände starren mich an. Ich sehne mich nach der Wärme seiner Arme, welche mir stets Zuflucht geschenkt haben. Doch ich bin alleine. Niemand da der meine Hand hält. Sie drückt und mir deutet, dass ich das Richtige tue.

Und wo sich mir gerade der Gedanke zur Flucht aufdrängt, steht sie auch schon vor mir. Die nette Dame mit dem milden Lächeln. Das Haar zu einem strengen Dutt gebunden, rundet sie das kühle Bild der Räumlichkeiten ab. Mich fröstelts. Mit ruhiger, fast flüsternder Stimme, bittet sie mich, sie zu begleiten. Und noch während ich die inneren Schreie wahrnehme, gehe ich wie von Geisterhand geführt mit ihr Seite an Seite durch den grauen Gang. An den Wänden hängen einige Bilder. Landschaften. Ja, überall nur nicht hier, geht es mir durch den Kopf. Der Flur erstreckt sich ins Endlose. Schweigen herrscht. Plötzlich erinnere ich mich daran, dass er meine ruhige Art nicht mochte. War ich doch nur so in mich gekehrt, weil meine Aufmerksamkeit auf ihm ruhte. Ich habe ihn gerne angesehen.

Das Drücken der Klinke holt mich aus meinen Gedanken. Und wieder sieht sie mich so erwartungsvoll an, als wüsste ich was zutun ist. Sie drückt mir ein dünnes Leibchen in die Hand, ehe sie mich in den Raum schiebt und die Tür hinter sich schließt. Mein Blick schweift durch den Raum und Übelkeit überkommt mich. Und wieder schweife ich in Erinnerungen ab. Erlebe unsere letzten Stunden noch einmal. Wer trägt die Schuld daran, wenn Momente sich verpassen, frage ich mich. Ich muss mich übergeben. Doch die wenige Galle ist kaum der Rede wert. Meine letzten Tage bestanden aus jeder Menge Schlaf, dem Drang auszubrechen und einfach nur zu laufen.

Während sich der kalte, kratzende Stoff über meinen Leib legt klopft es an der Tür. Durch den schon geöffneten Spalt kann ich eine junge Frau erkennen. Sie trägt ein kleines Mädchen auf dem Arm. Ich fasse nach meinen Sachen, stürze aus der Tür und laufe. Der raue Herbstwind schlägt mir entgegen. Als ich mich weit genug weg glaube, schlüpfe ich in meine Kleider.

Mein Weg führt mich Richtung Bahnhof. Ich sitze auf einer Bank und warte. Doch kein Zug fährt ein. Die Stadt ist tot. Doch ich bin es noch lange nicht.

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