November

Ich blase die Kerzen aus. Eine nach der anderen.
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24.

Um mich herum ist alles dunkel. Die Uhren im Zimmer ticken unaufhaltsam. Alles wirkt so erdrückend und ich will nur noch raus. Ich schlinge ein Stück von dem Kuchen herunter, während ich die Treppe hocheile. Schnell raffe ich ein paar Sachen zusammen – nur das nötigste. Ehe ich die Flucht nach vorne antrete, klebe ich eine Haftnotiz an den Spiegel.

“Ka ist ein Rad; es hat einzig den Zweck, sich zu drehen.”

Die Tür fällt hinter mir ins Schloss. Erlösung. Ich lasse das einst so geliebte Heim zurück. Es wird so sein, wie bei meiner Rückkehr. Keine Anzeichen davon, dass ich je existiert habe. Mit dieser Gewissheit und ohne einen Blick zurück gehe ich zum Bahnhof. Erst sitze ich einfach nur da. Male mir in Gedanken aus was ich tue. Ab und an fährt ein Zug ein. Die Wagen sind menschenleer. Vielleicht liegt es an der Uhrzeit. Denn während ich eine Entscheidung getroffen habe, wandeln andere noch im Land der Träume und schlafen den Schlaf der Gerechten. Ich will jedoch nicht mehr nur träumen, ich will leben. Leben heißt lieben.

Mit meinem Rucksack auf dem Rücken und dem Ticket ohne Wiederkehr in der Hand steige ich ein.

Gedankenverloren gehe ich durch den Waggon, als ich mich an einem Fensterplatz niederlasse. Mein Blick fällt auf den Fahrgast mir direkt gegenüber sitzend. Jung. Das lange Haar ruht offen auf den Schultern. Er sieht mich nicht, denn der Schlaf hat sich über seine Lider gelegt. Ich jedoch erkenne ihn. Ohne einen Laut bleibe ich auf meinem Platz und warte. Beobachte. Genieße. Auf halber Strecke wird er wach und schlägt die Augen auf. Als sich unsere Blicke treffen wird mir das schönste Geschenk zuteil. Sein Lächeln.

Alles Gute zum Geburtstag.

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