Prinzessin auf der Erbse

Es ist Abend. Die Stadt schweigt im nächtlichen Blau. Der kühle Herbstwind zerzaust mein Haar und straft die freie Haut mit Taubheit. Mein warmer Atem malt kleine Gebilde an die dunkle Leinwand. Und während mein Weg mich weiter zum Supermarkt um die Ecke führt, passiere ich den lichterreichen Markt. Es macht den Eindruck eines großen Weihnachtsbaums. Wehmut steigt in mir auf.

Ich lasse den Lichterwald hinter mir. Im Ladeninneren schlägt mir eine angenehme Wärmewelle entgegen. Ich schlüpfe an den Menschen und Verkaufsregalen vorbei. Schnell ist die kleine Liste abgearbeitet, der Korb keineswegs voll. Durch die Regale streifend, wie eine Löwin auf Beutezug, verharre ich noch eine Weile. Weder bin ich auf der Suche, noch will ich etwas finden. Doch der Gedanke an die einsame Nacht lässt mich verweilen. Ungewollt lande ich im Gang mit den Konserven. Eine Dose Erbsen erregt meine Aufmerksamkeit. Und noch während die Gemüsebüchse geborgen in meiner Hand hin und her wiegt, kommt mir eine Geschichte in den Sinn, von meiner Oma erzählt.

Von der Liebe getroffen hat sie meinem Opa damals liebevoll Brote für die Arbeit geschmiert. Ab und an legte sie ihm eine kleine Botschaft in das Frühstückspaket. Doch irgendwann schlich sich eine kleine Erbse hinein. Diese begleitete sie einige Jahre neckend, in voller Zärtlichkeit. Mal fand sie sich am Mantelkragen wieder, mal als Manschettenkopf. Sie manifestierte den Gedanken aneinander.

Und so gehe ich nach Hause. Zu späterer Stunde findet sich die Konserve in meiner kleinen Truhe wieder – zusammen mit einem Wunsch.

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