Das Versprechen

‘I want my innocence back.’

Das Fenster zum Hinterhof ist einen Spalt geöffnet. Sanfte Kühle schleicht sich in die Hitze der Nacht. Ich spüre noch immer wie seine vergangene Erregung meinen Innenschenkel befleckt. Mein Blick fällt auf den großen Baum, welcher wachend seine Äste über die kleinen Gärten legt. Trotz der Jahreszeit reckt sich seine noch reich bestückte Krone hoch in den Himmel. Es wirkt fast weihnachtlich, so wie die Sterne sich darauf betten.

‘I will never forget the words you used to ensnare me, till my dying day.’

Ich wende mich um. Der Geruch von Regen dringt herein. Und das leise Klopfen am Fenster lässt nicht lange auf sich warten. Ein perfekter Moment. Während die Kerzen flackern, lausche ich seinem Atem. Meine Fingerspitzen tänzeln sanft über seinen Rücken. Und obwohl ich in seinen Armen liege, scheint er mir auf einmal so fern. Es war nicht richtig. Ich war nicht richtig.

‘And I demand you put my heart back in my hand and wipe it clean from the mess you made of me.’

Seine Lider zucken unruhig hin und her, während sich auf seinen Lippen ein Lächeln niederlegt. Der Druck seiner Umarmung nimmt sanft zu. Trotz der Nähe seines warmen Leibes fühle ich mich verloren. Einsam. Denn tief in mir trage ich schon längst die Gewissheit. Ich bin das Puzzleteil, welches noch fehlt, um endlich Erkenntnis zu erlangen. Eine Projektion. Doch der Schein erlischt und bald wird mein Gesicht einem anderen weichen. Ich werde zu einer grauen Erinnerung heranwachsen. Und eines Tages wird er nicht einmal mehr meinen Namen wissen. Selbst dann nicht, wenn der Wind ihn an sein Ohr trägt.

‘If you can’t pacify me I will break your bones. You think I’m bluffing, just try me.’

Die letzte Flamme erlischt. Der Raum wird von Dunkelheit geflutet. Außerhalb dieser kleinen Welt verstärkt sich der Regen. Mein nackter Leib beginnt zu zittern.

‘And I require, you make me free from this desire.’

Vorsichtig, fast zögernd nähere ich mich seinem Gesicht. Tabakduft steigt mir in die Nase. Ein Geruch der mir bedeutet angekommen zu sein. Der Wohlgefühl auslöst. Meine Lippen berühren seine Stirn. Ich koste den salzigen Geschmack seines Schweißes. Ich koste ihn, wie eine verbotene Frucht. Und die Süße verführt mich weiterzugehen. Meine Lippen treffen seine. Ganz zart, um ihn nicht aus seinen Träumen zu reißen. Für einen kurzen Moment spüre ich, wie Tränen in mir aufsteigen. Doch die Dunkelheit lässt sie im Keim ersticken. Ich schlüpfe unter die Decke, wohlwissend, dass das, das Ende ist.

‘I want my innocence back.’

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