Blaue Augen

Eine halbe Stunde ist vergangen. Das heiße Wasser rinnt immer noch meinen Körper herunter. So langsam beginnt es zu schmerzen. Doch ich verweile. Ich fordere jeden einzelnen Tropfen dazu auf mir diese Bilder aus dem Kopf zu waschen. Mir jedes jemals gesprochene Wort von der Zunge zu rauben und jede Berührung aus der Haut zu brennen. Als ich mich betäubt genug glaube, um der Welt da draußen wieder entgegen zu treten, schiebe ich den Vorhang beiseite und verlasse die Duschkabine. Die schwüle Luft schlägt mir entgegen, nimmt mich ganz für sich ein. So ein warmes, sicheres Gefühl vermag nur der Mutterleib noch zu geben. Also verharre ich. Koste den Moment des Wohlgefühls aus. Doch es ist nicht von Dauer. Nur wenige Augenblicke später verwandelt sich der Schwall warmer Luft in widerliche Nässe. Kalt und feucht. Und ich weiß, die Realität hat mich eingeholt.

Denn noch immer befinde ich mich in dem Labyrinth, welches eigens für mich geschaffen wurde. Gebaut auf Lüge und Verrat irre ich durch die Gänge, in der Hoffnung einen Funken Wahrheit zu finden. Doch das Schließen der Badezimmertür hat keine neue geöffnet. Die Einsamkeit des Flurs verrät mir, dass du vielleicht recht hast. Ich sollte dir nicht vertrauen. Denn jeder Gedanke an das was war, was ist und was sein wird kränkelt. Infiziert durch die Ungewissheit was bleibt. Und geht letzten Endes an meiner Naivität zugrunde.

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