Robinson Crusoe 2.0

Vielleicht gleiche ich tatsächlich einem Stück Meerglas. Auf den ersten Blick besonders. Bei genauerer Betrachtung jedoch ohne Bedeutung. Von den Wogen des Meeres bis zur Unkenntlichkeit geschliffen.

Die letzten zwölf Monate glichen dem Wechselspiel von Ebbe und Flut. Ohne Unterlass, von himmelhochjauchzend bis zu todebetrübt, ging es auf und ab. Manche Tat riss mich mit, wie die Strömung den Unvorbereiteten. Wahrheiten schlugen wie Wellen in mein Gesicht. Bis letztenendes der Wind mich zu neuen Ufern trug.

Es ist Land in Sicht. Unbekanntes Land. Doch zum ersten Mal verspüre ich keine Angst. Ich habe Sirenen hinter mir gelassen, welche die falschen Gesänge anstimmten, um mich vom Kurs abzubringen. Der Meuterei meines Herzens habe ich Einhalt geboten. Und gelernt den Felsen auszuweichen, welche schwere Wunden schlagen. Mein Blick auf die Welt ist ein anderer geworden. Ich habe losgelassen, was mich runterzieht. Nun brauche ich das Ertrinken nicht mehr fürchten. Vielleicht ist es an der Zeit vor Anker zu gehen. Und so werfe ich den Kompass von mir, welcher stets nach Norden zeigt. Denn ich weiß jetzt wohin ich will und wer ich bin. Die lange Reise zu mir selbst neigt sich dem Ende zu. Und auch wenn der neue Tag stets beginnt, ehe der meinige endet habe ich kein Interesse mehr daran die Zeit festzuhalten. Das Leben ist eine Summe aus Momenten und ich möchte jeden einzelnen von ihnen erleben. Lachen. Weinen. Halten. Und gehalten werden. Küsse die Versprechen bedeuten. Gedanken die beflügeln. Gemeinsam dem Leben den erhobenen Mittelfinger zeigen und dem Schicksal bedeuten wer hier eigentlich nicht im Takt tanzt.

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