Schlampenfieber

In meinem Mund schmecke ich noch immer den rauen Wodka. Und ihn. Keine Ahnung wer er ist. Er liegt mit dem Rücken zu mir. Sein kurzes Haar zeigt in alle Himmelsrichtungen. Ein Blick unter die Decke verrät mir, dass ich nicht nur meine Unterwäsche verloren habe, sondern auch meine Vernunft. Ich kenne nicht einmal seinen Namen. Und will es auch gar nicht. Als hätte ich meine Gedanken laut ausgesprochen dreht er sich plötzlich zu mir. Tastet nach mir. Seine Hände packen ungestüm. Fassen fordernd. Er rollt seinen verschlafenen Körper auf mich. Ich sehe zu ihm auf. Meine Augen mustern ihn. Er hat ein schönes Lächeln. Kleine verspielte Grübchen. Und seine braunen Augen bilden einen offenen Blick. Und während ich mir in Gedanken ausmale, welch’ ein Leben er führen könnte, dringt sein Stöhnen an mein Ohr. Ich lasse ihn gewähren und warte auf den Moment, als er sich niederlegt und mich in seine Arme schließt. Es ist nicht dasselbe, aber einen Wimpernschlag lang lasse ich mich fallen, lege mich in seine Arme und fühle die Wärme.

Während seine Lust noch durch die Laken sickert, klaube ich meine Kleidung vom Boden auf und schließe die Tür hinter mir. Auf meinem Weg hinaus passiere ich einige Fotos. So viele Freunde. Und noch mehr Frauen. Meine Füße tragen mich raus auf die Straße, wo der Regen schon auf mich wartet. Vor mir ein Meer aus Pfützen. Das Lächeln des Mondes ist in jeder von ihnen. Groß. Und hell.

So fühlt sich das also an. Gefühlsprostitution.

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