Weißer Walzer

Auch nach all den Jahren passt der Mantel der Einsamkeit immer noch wie eine zweite Haut. Er hat vielleicht etwas gelitten. Die Motten laben sich an ihm, auch die Nähte lösen sich langsam. Jeder Flicken eine Erinnerung. Irgendwann werden auch diese sich abtragen und verloren gehen, im Grau der Zeit. Aber wirklich warm gehalten hat er ja noch nie.

In Nächten wie diesen, wenn der Raureif das Glas bedeckt und der Nebel mir jegliche Sicht versperrt fürchte ich, dass du gerade dann nach mir suchst. Mutig. Mit der Gewissheit, dass ich auf dich warte. Denn irgendwas fehlt dir. Und das bin ich. Doch die undurchdringliche Dunkelheit meiner Welt verschluckt dich und drängt dich fort von mir. Ich bin ein Opfer. Verwundet im Kampf zweier Herzen. Ich möchte es einfach wieder spüren, dieses Gefühl, was alles andere gleichgültig erscheinen lässt. Möchte mich in deine Arme flüchten können, welche mich schon einmal gehalten haben. Warm. Beschützend. Als gäbe es keinen sichereren Ort auf dieser Welt als nah bei dir. Unser Atem folgte demselben Takt. Und für einen Moment, als deine Hand sich um meine Schultern legte, spürte ich, wie der Mantel für den Bruchteil einer Sekunde von mir rutschte. Es fühlte sich richtig an. Wie im Märchen. Denn meine Angst ist wie ein kleines Kind. Schenke ihm ein warmes Zuhause und alles ist vergessen.

Mein Verstand ist dem Herz schon lange gewichen. Und so hoffe ich, bald keine Worte mehr nötig zu haben. Denn es gibt nur eine Antwort auf all die Fragen, welche ich nicht zu stellen wage. Liebe. Immer.

Ich möchte dir das wir anbieten.

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