Totgesagte

Ich falle aus der Realität.

Inmitten des Scherbenhaufens sinke ich auf die Knie. Und wie aus dem Nichts legen sich zwei Arme um mich; ein Kopf bettet sich auf meiner Schulter. Ein altbekannter Geruch erfüllt den Raum. Bist du wirklich hier? Bei mir? Fingerspitzen streicheln über meine Wange. Meinen Hals. Als ich nach ihr fassen möchte, greife ich ins Leere. Zurück bleibt nur mein Blick nach vorn. Ich richte mich auf. Die Schultern, welche eben noch hingen, haben zu ihrer Haltung zurückgefunden. Und während meine Augen auf die Spiegelstücke treffen, verschmelzen wir zu einer Person. Endlich vereint.

Zu meinen Füßen häuft sich das rote Haar. Strähne für Strähne fällt es hinab. Gekringelt liegen sie auf den nackten Fliesen, umgeben von Scherben und verlieren mehr und mehr an Farbe. Sie verblassen. Und mit ihnen die Erinnerung. Ein letzter Schnitt. Ich lege das zerbrochene Glas zur Seite und blicke in den Spiegel. Das einst so lange Haar reicht nur noch bis zu den Schultern. Ich fahre mit der Zunge über meine trockenen Lippen. Der Geschmack von Metall bleibt zurück. Er ist noch frisch. Wie alles, was von nun an folgen wird.

Und die Welt hat sich erneut gedreht. Ich bin zurück.

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