Belladonna

Der Abspann flimmert über den Bildschirm. Das Bier schmeckt schal. Die verbalen Ohrfeigen hallen nach.

Während die letzten Töne der Musik spielen, das Filmpaar durch den Regen tanzt und lässt mich in dem Glauben zurück, dass es lediglich so etwas wie Mut braucht, um glücklich zu sein. Denn ab einem bestimmten Moment im Leben bereut man nicht die Chancen die man genutzt hat, sondern die Möglichkeiten, welche man hat ziehen lassen. Aus Angst. Aus Scham. Oder auch aus falscher Zurückhaltung. Es gibt Zeiten, die kommen nie wieder. Man wagt also entweder gleich den Sprung kopfüber ins Abenteuer Liebe oder sieht ihr dabei zu, wie sie winkend an einem vorbeigeht. So auch ich.

Ich lasse mein Sehnen ziehen und verabschiede mich von all den Träumen. Dem Wunsch barfuß durch die Küche zu tanzen, lachend durch die Gassen von Amsterdam zu ziehen oder Kopf an Kopf an der Elbe zu liegen und Geschichten zu spinnen.

Meine Welt war klein, bevor ich dich kannte.

Das Bild des Fernsehers verdunkelt sich. Ein leichtes Knistern ist zu hören. Ich ziehe einen Stuhl an das Fenster heran und spiele eine Weile nachdenklich mit dem Feuerzeug. An. Aus. An. Aus. Die Wärme zieht mich an, wie die Motte das Licht. Und einmal mehr habe ich mir die Flügel verbrannt. Meine Finger greifen nach einem der Zigarettenstummel. Ich entzünde ihn. Rauchzeichen verlassen meine Lippen und senden Botschaften in die Nacht hinaus. Hinaus in den Regen.

Alles neu macht der Mai. Ich werde warten.

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