Rosaroter Nebel

Ich verlasse die Wohnung. Und lasse die mit Schweigen verhangenen Räume hinter mir. Noch ehe die Tür ins Schloss fällt, finde ich mich im Regen wieder. Ich schlüpfe aus meinen Schuhen. Tanze. Und springe durch die Pfützen. Die kindliche Unbeschwertheit hält Einzug, welche ich irgendwo zwischen Sockenschublade und Büchern verloren habe. Irgendwo zwischen leben und lieben.

Unten am Fluss lasse ich die nackten Füße ins Nass gleiten. Bringe die stillen Wasser zum reden. Hier singe ich mit dem Regen, während der Mond mir sein hellstes Lächeln schenkt. Genau hier beginne ich zu vergessen, während der letzte Zug seine Wirkung zeigt. Ich tippe einige Buchstaben in das Telefon. ‘Du bist immer da. Aber nie hier.’ Senden? Senden. Binnen weniger Sekunden werden dich meine Gedanken erreichen. Doch als auch der letzte Tropfen von meiner Wimper perlt blicke ich noch immer auf eine Mauer des Schweigens.

Wer sagt, dass es leicht ist, nur weil es einfach ist, hat keine Ahnung. Denn manche Fragen haben weniger Buchstaben, kosten aber umso mehr Überwindung.

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