Kopflos

Es genügt, einen Ort zu haben, an dem man sich fallen lassen kann, um immer wieder aufzubrechen.

Meine innere Unruhe dringt mehr und mehr nach außen. Im Minutentakt beiße ich mir auf die Unterlippe. Einzelne Haarsträhnen finden sich zwischen meinen Fingern wieder. Ich kaue nervös auf dem Kaugummi herum und fülle Blasen mit meinem heißen Atem, welche zerplatzen, wie die Träume der letzten Nacht, während die tiefe Stimme von Erik Cohen an mein Ohr dringt. Die Ortschaften ziehen an mir vorbei. Landstriche, welche ich schon so oft gesehen habe. Häuserdächer, deren Ziegel im Glanz der untergehenden Sonne schimmern wie die Feuer vergangener Tage.

Der Zug hält.

Am Bahnsteig weht mir ein kalter Wind entgegen. Ich schlage den Kragen des braunen Parkers hoch, entzünde eine letzte Zigarette und mache mich auf den Weg. Und so lasse ich den kleinen und verlassenen Bahnhof hinter mir. Ich durchquere die Unterführung und folge dem Tunnel, welcher einem farbenfrohen Trip gleicht. Meine Schritte werden ruhiger. Die Nacht klarer. Mein Herz tanzt im Takt der Vorfreude.

Ich läute. Im Haus herrscht Stille und höre ich jeden deiner Schritte auf der Treppe. Die Tür öffnet sich. Sie sieht mich an. Überrascht. Fragend. Die Flasche, die ich mit dir leeren wollte, rutscht mir aus der Hand. Der beißende Geruch steigt mir in die Nase. Ich stolpere die Treppe hinunter und falle. Falle in ein schwarzes Loch.

Selbst in meinen Träumen dauert der Nachgeschmack der Realität an. Denn in der Minute, in der ich zögerte, ist mein Leben unbekannt verzogen.

Keine Tränen.

Trocken weinen.

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