Blendfassade

Die eine Hand in meinem Schoß. Streichelt sich ungeniert in meinen Schritt, während die andere mit mir anstößt. Vom Alkohol brennende sich treffende Lippen. Es folgt vergnügtes Lachen. Albern. Weitere Berührungen. Hände die sich halten, weil man sich sonst verlieren würde. Heißer Atem trifft kalte Haut. Verschwommene Blicke schaffen eine neue Welt. Das Gerede der anderen scheint auf einmal ganz weit weg.

“Die Toilette?”
“Einmal durch die Tür.”

Meine Füße folgen der groben Anweisung. Unterdessen sind meine Gedanken schon wieder auf dem Sprung. Nach einigen Fehlversuchen geht das Licht endlich an. Als mein Blick den Spiegel trifft, sehe ich in zwei blaue Augen. Glasklar. Und weit. Doch es sind nicht meine.

Ein Kuss in meinem Nacken. Zwei warme Hände auf meinem Bauch. Verlangen, welches gegen meinen Rücken drückt. Seine bunte Farbe vermischt sich mit meiner weißen Haut. Der Geruch von Lust und Alkohol dringt aus jeder einzelnen Pore und erfüllt den Raum. Der Spiegel zerspringt, um den schamerfüllten Blick von uns zu nehmen. Wir sammeln die Splitter auf. Die Scherben unseres Lebens und machen eine Discokugel drauß, um weiter darunter zu tanzen. Ein Leben lang. Dieses Lied.

Der nächste Morgen wartet schon.

Ich lache ihm entgegen.

Heute. Und jeden Tag.

Denn irgendwann kommt der Morgen, an dem ich neben dem Menschen liege, der meine Musik ist. Der Takt meines Lebens. Der Rythmus meines Herzschlags.

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