Vogelherz

Das Höschen hängt in den Kniekehlen. Die beschmierten Wände erzählen eine Geschichte. Und der pure Bass versetzt meinen Körper in Bewegung. Und noch während ich die Spülung betätige klopft es undeutlich gegen die Tür. Sie ist durchlässig. Ich sehe Umrisse. Ein Gesicht, verschmiert und betrunken, grinst mir entgegen. Umrahmt von einem violetten, wilden Haarschopf. Sie erinnert an die Grinsekatze. Doch sie ist real. So real wie der Gestank nach Urin und dem Essen vom Vortag. Ich stoße die Tür auf. Die Katze nimmt mein Kinn, wie Großmütter es tun, und säuselt eine Frage. Bruchstückhaft antworte ich.

“Das sagen alle.”

“Ich bin aber nicht alle.”

“Das sagen übrigens auch alle.”

Mir fehlen die Zeiten, als man Musik noch auf Kassetten spielte, Freunde nicht sammelte wie ‘Panini’-Sticker und man das Leben außerhalb einer spröden Statusmeldung lebte. Zwischen Buchseiten und einem halben Wodka-O, schreibe ich Kurznachrichten an meinen toten Ex-Freund. Statt dem Nagel, schlage ich Daumen in die Wand. Manchmal verliere ich mich in mir selbst und denke an Bier, während ich noch beim Frühstück sitze. Und somit unterscheide ich mich wirklich kaum vom restlichen Durchschnitt.

Ich bin verkrüppelt. Doch nicht der Körper ist gebrochen.

Jetzt erkenne ich sie. Wie sie da so vor mir steht. Und grinst. Erkenntnis, die alte Hure.

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