Innere Gleichgültigkeit

Ein neuer Tag. Ein neuer Zug. Aufstehen. Rausgehen.

Andere stehen vor dem Kleiderschrank. Ich stehe vor dem Spiegel und überlege nach Kräften, welches Gesicht ich denn heute aufsetze. Dabei ist die Auswahl nicht besonders groß. Meine Schublade der Mimik ist von Motten zerfressen. Sprich: alles nicht besonders schick, aber man hängt an den alten Fetzen. Und meine Mitmenschen haben sich daran gewöhnt. Ähnlich dem Sand zwischen den Zehen. Anfangs ist er unangenehm, bis man sich an ihn gewöhnt hat. Denn man weiß, er wird bleiben. Selbst Jahre später steckt er noch in den Laken. Ich, die Gewohnheit. Jeder Handgriff automatisiert. Meine Reaktionen gekonnt. Das Lächeln gelernt.

Mechanismus Leben.

Ein Leben, geschnürt wie ein Korsett. Es muss sitzen, bis man keine Luft mehr bekommt. Es raubt einem den letzten Atem und fällt erst von einem ab, wenn man sich der fleischgewordenen Gedankenlosigkeit anschließt. Doch ich starte meine ganz eigene Rebellion.

Meine Haut spannt. Jedes Wort ist eine Anstrengung. Das Essen wird zur Qual. Alles in meinem Kopf dreht sich. Ich will nur noch raus. Raus aus dieser Hülle. Weg von mir.

Funktionierenversagen.

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