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Bussi Baby

‚Es sind diese kurzen Momente zu Beginn eines langen Tages zwischen Tür und Angel, die ich vermisse. Die, die nachwirkend schön waren.‘ – Groschenphilosophin

Noch ehe der Wecker schrill ertönt, liege ich wach danieder. Erwartungsvoll drehe ich mich um. Nichts. Keine feste Umarmung. Kein Kuss in den Nacken. Kein sanftes Raunzen. Statt dem Weckton, durchdringt mein Schluchzen die allmorgendliche Stille.

Ich erinnere mich an dich. An uns. Unser Ritual am Morgen. Du hattest schon die Hand auf der Klinke, doch du kamst nochmal zurück. Zurück zu mir. Mein Herz folgte deinem schneller werdenden Schritt. Ein kurzer Kuss. Einer noch. Anhaltend. Intensiv. Die Zeit drängt. Es kümmert uns nicht. Nicht jetzt. Nicht hier. Wir genießen den Moment. Genießen uns. Wie Kinder, die noch aufbleiben wollen, feilschen wir um jede Sekunde.

Der Wecker klingelt.

Ich decke mich zu mit den Bildern in meinem Kopf. Der Tag muss heute warten.

Erinnerungen.

Alles was bleibt.

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Unsent #003

Wenn mir die Nase juckt, bist du es dann, der da an mich denkt?

Facehugger

Ich suche nicht nach dir. Nicht mehr. Und doch. Ich finde dich. Überall.

Mal hier. Mal dort. Zwischen meinen Lippen, wenn sich der Geschmack der Tschick entfaltet. Unter meinem Fuß, wenn sich auch in der letzten Ecke noch eine Tannennadel vom gemeinsamen Weihnachten zeigt. Im Supermarkt, kurz vor der Fleischtheke, wenn mich das Faschierte anschaut. Abends, wenn mich der Wookie in den Schlaf raunzt. Beim Blick in den Spiegel, wenn sich der Anhänger um meinen Hals wieder einen unerbittlichen Kampf mit den anderen Ketten geliefert hat und ich ihn befreien muss. Dann, wenn der Bass ertönt und meine Hüften schutzlos sind. In meiner Art mich auszudrücken. Nach dem Duschen, wenn ich in meiner Unterwäscheschublade wühle. Während der Käptn und ich langsam Freunde werden. In den Weiten des Internets.

Doch vor allem dann. Wenn ich nicht damit rechne.

Was bleibt? Das Gefühl von Leere. Als hättest du dich noch vor dem Morgengrauen aufgemacht, um mitten im Leben zu verschwinden, welches dort draußen stattfindet.

Und wenn ich mich dann endlich auf dem Boden der Tatsachen wiederfinde, meldest du dich. Unerwartet. Und ziehst mir diesen Boden erneut unter den Füßen weg. Ich fliege einmal mehr in das Vermissen und mache Rast auf den Wolken der Sehnsucht. Sie sind so weich. Wie deine Lippen. Wenn sie auf die meinen trafen. Mit jedem Kuss kostete ich Zukunft. Eine Zukunft mit dir. Der Geschmack von Leichtigkeit. Selbst jetzt noch.

Warum?, will ich dich fragen.

Katzenjammer

Starr blicke ich an die Decke. In der Hoffnung, die Faserung der Tapete würde mir eine Karte zeichnen. Mit dem richtigen Weg zu dir. Denn ich irre durch den Wald der Sehnsucht. Immer wieder stolpere ich über Erinnerungen und stoße mich am Vermissen.

Von außen betrachtet bin ich wieder das normale Mädchen. Der junge Rotschopf mit dem wirren Wesen. Flausen im Kopf. Doch mit beiden Beinen fest im Leben. Mal hier. Mal da. Doch nie wirklich Zuhause. Lache. Raunze. Lebe. Die Verzweifung sucht mich nur noch selten Heim.

Unter der Oberfläche jedoch sammle ich meine Gefühle für dich und schreibe sie nieder. Wie in einem Wörterbuch schlage ich immer wieder nach. Suche ihre Bedeutung für mich. Übersetze. Verstehe. Setze sie zu einer Geschichte zusemmen. Dann, in unruhigen Nächten lese ich dich mir vor. Eine Geschichte die ich immer und immer wieder lesen will. Kenne ich sie auch in- und auswendig. Jedes Kapitel bringt mich dir etwas näher.

Die andere Hälfte vom Bett ist immer noch deine.

 

Unsent #002

In meinen Träumen liebst du mich immer noch.

(K)einmal

Das war es also.

Endgültig.

Aus. Und vorbei.

Denn da liegt er in meiner Hand. Grau, wie die Tage die an mir vorbeiziehen. Regunglos wie ein toter Fisch. Dein Schlüssel zu meiner Wohnung. Meiner kleinen Welt, die immer noch irgendwie die unsere ist.

Nicht selten steigt Hoffnung in mir auf, wenn Schritte vom Hausflur her an mein Ohr dringen. Dann setze ich mich auf. Horche. Warte. Die Hoffnung stirbt. Jedes Mal ein bisschen mehr. Doch woran soll ich mich halten, wenn nicht an die Hoffnung? Sie war mir stets eine treue Freundin. Zwischen all den Zweifeln, hat sie sich aufgerappelt. Mir in der Dunkelheit meiner Gedanken einen Ausweg gezeigt. Immer und immer wieder hat sie mir ihre Hand gereicht, doch ich schlug sie fort. Ging zurück in die dunkelsten Ecken und kuschelte mich eng an meine Angst. Mal für Mal. Bis ich eins mit ihr wurde.

Mein Selbst verblasste.

Ich wollte mit dir im Regen tanzen, doch stattdessen habe ich dich im Regen stehen lassen.