Romantiksau

Eins wusste ich schon als kleines Mädchen. Irgendwann wird es auch mir begegnen. Dieses Gefühl, welches ich aus Romanen und Filmen kenne. Dieses Gefühl namens Liebe.

Ich sehe dich in jedem Detail.

Ich will an Wände gesprüht, in Bäume geritzt, auf Bänke gekritzelt und in deinen Gedanken verewigt werden. Ich will Notizbücher zieren und in deinem Herzen wohnen. Ich will keine Option sein.

Doch auch dieses Mal finde ich nicht, worauf ich gehofft habe. Vielleicht, weil ich am Anfang schon ohne Hoffnung war.

Es wartet keine gute Fee mehr darauf einem Mädchen wie mir eine silberne Kutsche unter den Arsch zu zaubern, um mich zu meinem Glück zu tragen. Man muss es selbst in die Hand nehmen. Doch was, wenn der Zeiger schon kurz vor zwölf steht und der Zauber langsam an Wirkung verliert. Für mich gab es nie das erste Date oder ein Abschiedkuss vor der Haustür. Keinen Pullover, der mir zu groß ist, um vollkommen in dem Geruch der Erinnerung unter zu gehen. Keine schlaftrunkenen Anrufe mitten in der Nacht, um meine Stimme zu hören. Der Blick der die Welt bedeutet bleibt aus. Niemand hat mich als sein Mädchen vorgestellt. Und so bleibe ich zurück mit den falschen Vorstellungen von Liebe. Es gibt einen Grund warum es Märchenprinz heißt. Er ist nur ein Mythos. Nicht wirklich. So wie Wölfe die Kreide fressen. Oder Zicklein in Standuhren.

Fakt ist: aus Mädchen wie mir, Mädchen mit Träumen, werden Mädchen mit Wodka.

Trümmerprinz

Bei unserer Suche nach wahrer Liebe ist unser Antrieb…

a) …Leidenschaft.
b) …Bedürfnis nach Sex.
c) …Unterstützung auf finanzieller und emotionaler Basis.
d) …das menschliche Bedürfnis der Verbundenheit und das ewige Gefängnis der Einsamkeit zu verlassen.

Ich wate durch ein Wechselbad der Gefühle.

Glück und Unglück geben sich die Hand. Ich will bei ihm sein. Doch es kostet Kraft. Anstrengung. Aber im selben Moment ist es einfach nur schön. Die Zeit mit ihm wertvoll. Sind es oft auch nur wenige Stunden. Er hat mich verändert. Auf die schöne Art und Weise. Ich sitze seinetwegen weinend Zuhause, während der Plattenspieler im Hintergrund rauscht, weil das letzte Lied schon lange geendet ist. Bei jeder Nachricht von ihm, zeigen sich diese kleinen Grübchen in meinem Gesicht und strahlen um die Wette. Und immer, wenn ich sein Lächeln sehe und er mich mit diesen frechen Augen ansieht, zeigt er mir, wie tief ich schon in der Sache drinstecke.

Ich weiß, dass er mich gern hat. Ich kann es fühlen. Spüren. Aber niemals greifen. Ich bin gefangen in ihm. Habe mich in seinem Sein verlaufen. Ich will alles von ihm. Will alles hören was er zu sagen hat. Seinen Worten lauschen, die seinen Gedanken Form geben. Doch verstehe ich oft nicht. Dabei würde ich so gerne verstehen. Alles. In ihm. An ihm.

Seit ich ihn kenne, weiß ich, was Sehnsucht ist.

Ich verliebe mich in ihn. Immer wieder.

Frustabo

Jolene. Ein jeder von uns kennt sie. Denn ein jeder von uns trifft sie. Irgendwann. Die Frau, mit der man nicht mithalten kann. Jedem zeigt sie sich anders. Und doch bleibt eines immer gleich. Wir stehen in ihrem Schatten. Ganz gleich wie groß die Schritte sind. Egal wieviele Sprünge wir uns entfernt glauben. Sie findet einen. Erwischt eiskalt. Mitten ins Herz. Man ist ihr ausgeliefert.

Sie hat mich stets an eines dieser Hochglanzmagazine erinnert. Elegant modern. Jede Seite an ihr war interessant. Sie hatte immer was zu berichten. Konnte unterhalten. Ich hingegen bin schon lange ein Mängelexemplar. Ein viel zu dicker Schinken der schon Staub angesetzt hat. Mit zerschlissenen Seiten, welche den Inhalt unkenntlich machen. Und der lädierte Ledereinband zeigt, dass ich schon durch viel zu viele Hände gegangen bin. Niemand hat es lange genug ausgehalten. Keiner kennt das Ende. Vielleicht ist es noch gar nicht geschrieben? Mein Zustand zeigt, dass ich mehr zu erzählen habe, als die Zeilen zu erkennen geben. Kapitel um Kapitel. Es gibt viel zu entdecken, wenn man sich an den rauen Einband erst einmal gewöhnt hat. Einer hat es gewagt. Er kann in mir lesen, zu jeder Zeit. Doch ich auch in ihm?

Ich weiß, wie er war, als sie noch in seinem Leben war. Liebevoll verkitscht. Sie lächelten von Fotos auf mich herab. Haben Liebesbekundungen ausgetauscht. Süßholz geraspelt. Mal mehr, mal weniger öffentlich. Doch ihre Verbindung war offensichtlich. Ihr Glück umso mehr.

Status: Jolene gets my man.

Kopfkarussell

Er ist für mich etwas Besonderes. Immer gewesen. Wenn ich unseren gesamten Weg noch einmal abgehen würde, wäre unklar, ob ich je ankomme. Denn immer wieder würde ich innehalten und am Wegesrand rasten, um all die schönen Momente die wir uns schenkten noch einmal zu erleben. Dinge, die mein Herz aus Stein stets mit Freude füllten. Er hat den Holländer Michel in die Flucht geschlagen. Wenn ich so durch unsere Erinnerungen gehe, ergreift mich jedoch etwas die Wehmut. Die vielen verpassten Chancen. Immer dann, wenn ich mir mal wieder selbst im Weg stand. Wenn ich im richtigen Moment nicht nach seiner Hand gegriffen habe. Und doch kreuzen sich unsere Wege nun schon seit sieben Jahren.

Jetzt ist er zu unserem geworden. Und doch – dieser Tage hält Ratlosigkeit Einzug. Verzweiflung. Ich weiß, dass er mich gerne hat. Mich irgendwie liebt. Und doch anders.

Meine Spuren verwischen.

Ich bin ein offenes Geheimnis. Sein Geheimnis.

Bildrauschen

„I love You.“ „I know.“

Ich liege in meinem Bett, welches sich seltsam groß anfühlt, seitdem du mir gezeigt hast, dass du dort Platz hast. Uns trennen 933 Kilometer. Und ein ganzes halbes Leben.

Doch selbst wenn du neben mir sitzt, kann ich dich nicht greifen. Wenn sich unsere Blicke treffen, versuche ich darin zu lesen. Versuche mich zu sehen. Zu verstehen. Du jedoch verrätst nichts. Bleibst mir ein Rätsel. Und wieder kommt der Moment, der mich einmal mehr aus der Bahn wirft. Denn genau dann, kann ich dich nicht einschätzen. So nah und doch so fern. Fast fremd. Weit weg und ganz nah wäre mir in diesen Tagen lieber. Du fehlst mir. Der Sommer mit dir. Alles war ein kleines bisschen Hollywood. Wir gehen Händchenhaltend durch die Straßen. Ab und an bleiben wir stehen, stehlen uns davon. Ziehen uns an. Aus. Halten einander. Tauschen Küsse aus. Die ganz große Romanze. Wir haben nur noch Augen füreinander und selbst der Sonnenuntergang, der dieser Tage genauso rosa ist wie wir, zieht unbemerkt an uns vorrüber. Wir sehen uns an und doch in dieselbe Richtung. Ich fühle. Mich. Dich. Uns.

Der Sommer ist vorbei. Doch die Wärme ist geblieben. In meinem Herzen. Ich zehre davon, wenn der Winter Einzug hält. Und ich stelle fest: er dauert schon viel zu lange an.

Schlafallergikerin

Mir fehlen die Worte. Deine. Mobiltelefone. Ein Fluch. Das denke ich jedes verdammte Mal, wenn ich auf den schwarzen, kleinen Bildschirm starre und micht regelrecht dazu zwingen muss keinen Blick zu riskieren. Denn meinem Inneren gleich, erwartet mich dort bloß Leere.

Ich erinnere mich zurück. Die Nächte haben wir zum Tag gemacht. Die Zeit angehalten, wenn sie uns über den Weg lief und die Köpfe in den Wolken gehabt. Haben mit Worten ganze Bilder gezeichnet. Uns mit den Fingerkuppen Versprechen auf die Haut gezeichnet. Gemeinsam haben wir die Geschenke der Gegenwart verzehrt und hatten einander nicht satt. Haben nie nach dem Warum gefragt. Der Vernunft den Laufpass gegeben. Und beim ersten spürbaren Frost keine Kälte gekannt, weil unsere Herzen brannten. Füreinander. Schonunglos. Wir haben alles gewollt. Nun drohen die Flammen zu ersticken.

Sprachlos. Nüchtern. Lieblos. Es scheint als wiegen wir uns in der Selbstverständlichkeit des anderen. Als würden sich unsere Hände nicht mehr denselben Platz teilen. Die Herzen nicht mehr im Takt tanzen. Alles verkommt zu einem Hintergrundrauschen bis die neue Zukunftsmelodie einsetzt. Verfasser unbekannt.

Wie Steine, schlage ich die Erinnerungen aneinander, um erneut das Feuer zu entfachen.